Aufgabenübersicht

Sicherheitsaufgaben zum Schutz des menschlichen Lebens auf See [Mehr dazu]

  • Beobachtung der internationalen Seenotfrequenzen
  • Leitung des Notverkehrs
  • Peilung des Havaristen und der Hilfsfahrzeuge
  • Benachrichtigung amtlicher und privater Stellen, die Hilfe leisten oder die Hilfe veranlassen können
  • Benachrichtigung von Presse, Rundfunk und Fernsehen

Kommerzielle Aufgaben

  • Funktelegramme
  • Funkgespräche
  • Funkfernschreiben

Aufgaben zur Sicherung der Navigation [Mehr dazu]

Funkärztlicher Beratungsdienst [Mehr dazu]

Kommerzielle Aufgaben

Wenn es um die Sicherheit der Besatzungen und der Schiffe ging, waren sicher alle anderen Aufgaben der Küstenfunkstelle Norddeich Radio als wichtiger zu bezeichnen!

Allerdings waren gerade die kommerziellen Aufgaben, vor allem für die Menschen in Norddeutschland, von herausragender Bedeutung. Viele Familien hatten Angehörige, die zur See fuhren. Und nur über Küstenfunkstellen war es überhaupt möglich, telefonisch oder telegrafisch in Verbindung zu bleiben. Gerade an Tagen wie Weihnachten wurde das immer wieder deutlich. Wenn der Telegrammverkehr und die Gesprächsvermittlung nur noch durch zusätzliche Schichten der Mitarbeiter zu bewältigen war.

 

Funktelegramme

Ein Telegramm (engl. Telegram), was wörtlich übersetzt Fernschrift oder Fernschreiben bedeutet, wurde in der Regel telegrafisch übermittelt und war die schnellste Möglichkeit eine schriftliche Nachricht von A nach B zu schicken. Wobei man noch wissen muss, dass viele Haushalte früher nicht einmal einen Telefonanschluss hatten.

Als das Internet aufkam, gab es die Möglichkeit eine E-Mail zu schicken. Dann kamen die Handys und man tauschte SMS aus. Heutzutage hat fast jeder ein Smartphone und nutzt Facebook, Twitter und Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram (da haben wir wieder unsere alte Bezeichnung).

Während ich heute ständig, sozusagen „verbunden“ bin, wurden Telegramme nur zu bestimmten Anlässen geschickt und galten als etwas Besonderes. Man schickte ein Telegramm an Verwandte, Freunde und Bekannte an Festtagen wie Weihnachten, Ostern oder Muttertag, um ihnen zu zeigen, dass man an sie denkt. Aber auch um Glückwünsche zum Beispiel zum Geburtstag oder der Geburt eines Kindes mitzuteilen. Leider war man auch gezwungen ein Telegramm zu schicken, um über den Tod eines lieben Verwandten zu informieren. Und Geldüberweisung per Telegramm war auch möglich.

Vergessen darf man nicht, dass Telegramme auch von Firmen geschäftlich genutzt wurden, bis sie dann ein eigenes Faxgerät oder einen Fernschreiber (Telex) hatten.

Und was kostete das dann? Ja, es war zu damaligen Zeiten nicht billig. Aber wenn ich sehe, was heutzutage für ein Smartphone ausgegeben wird und dann noch bedenke, dass man einen Mobilfunkvertrag und entsprechendes Datenvolumen benötigt, relativiert sich das meiner Meinung nach.

Ein gewöhnliches Inlands-Telegramm kostete 1980 pro Gebührenwort 0,60DM Telegrafengebühr.

Deshalb schrieb man den Text auch nicht wie in einem Brief „Ich komme am Freitag um 17 Uhr an“, sondern im Telegrammstil „Ankomme Freitag 17Uhr“.

Ein Funktelegramm kostete pro Gebührenwort 1,55DM

  • 0,60DM Telegrafengebühr,
  • 0,55DM Küstengebühr und
  • 0,40DM Bordgebühr.

Wieso Gebührenwort? Ein Wort bis zu 10 Zeichen galt als ein Gebührenwort, ab 11 Zeichen als 2 Gebührenwörter usw.

Das Versenden eines Telegramms war möglich

  • durch Aufgabe bei einem Postamt
  • über Fernsprecher (ich glaube die Rufnummer war 113 bzw. 0113) und
  • über Telex beim zuständigen Telegrafenamt

Seefunktelegramme konnten direkt bei Norddeich Radio über die Telexnummer 1115 aufgegeben werden.

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Telegrammübermittlung nach See

Telelegramm an Bord zugestellt

Telegrammübermittlung nach Land

Telegramm an Land zugestellt

Seefunkgespräche

Seefunkgespräche sind Ferngespräche, die von einer Seefunkstelle (SeeFuSt, Funkstelle an Bord) ausgehen oder an eine solche gerichtet sind und die ganz oder streckenweise auf dem Funkweg hergestellt werden.

Funkgespräche von und nach Land wurden immer über die Küstenfunkstelle vermittelt.

Wegen der Besonderheit der Seefunkstelle (nicht stationär - keine ständige Verbindung) sind auch hier die Besonderheiten der Richtung Land->See, bzw. See->Land interessant.

Je nach Entfernung zwischen der Seefunkstelle und Norddeich Radio wurde die Funkverbindung über Kurzwelle (weltweit), Grenzwelle (Nordsee) oder Ultrakurzwelle (küstennahe Region) hergestellt.


Seefunkgespräche nach See

Seefunkgespräche von Land konnten bei Norddeich Radio angemeldet werden

  • über die kostenfreie Rufnummer 01211 aus Norddeutschland (am Vermittlungsplatz in der Leitstelle),
  • über eine Fernsprechnebenstelle in der Leitstelle
  • oder kostenfrei über das zuständige Fernamt des Anrufers (am Vermittlungsplatz in der Leitstelle)

Bei der Anmeldung eines Seefunkgespräches wurden die notwendigen Daten auf einem Gesprächsblatt festgehalten:

  • Name der Seefunkstelle, möglichst mit Rufzeichen oder sonstigem eindeutigem Erkennungsmerkmal (z.B. Reederei), um Rückfragen zu vermeiden
  • Rückrufnummer zu der das Seefunkgespräch durchgestellt und über die die Abrechnung stattfinden sollte
  • sowie möglichst die Position des Schiffes. ("Im Hafen" war ungünstig, da durfte die Funkanlage der Seefunkstelle nicht betrieben werden.)

Aus den Leitverzeichnissen für in- bzw. ausländische Seefunkstellen wurden dann die notwendigen Informationen, wie das Rufzeichen und die Ausrüstung der Seefunkstelle, entnommen. Dementsprechend wurde das Gesprächsblatt anschließend per Laufband zur Sprechfunk-Boje und ggf. ein "Hinweisblatt" zur Telegrafie-Boje geschickt. (Als Boje wurden die drehbaren, mit Fächern für Telegramme und Gesprächsblätter ausgerüsteten Gestelle genannt, die jeweils zentral im Bereich der Anrufkanäle für Sprech- und Telegraphie-Funk aufgestellt waren.)

Die Telegramme und Gesprächsblätter waren nach Rufzeichen sortiert in der "Boje" eingeordnet. Im stündlichen "Sammelanruf" wurden alle Schiffe gerufen, für die Norddeich Radio Telegramme, Gespräche oder Funkfernschreiben vorliegen hatte.

Hatte sich die Seefunkstelle gemeldet und bestand eine gute Funkverbindung, wurde die Telefonverbindung zum Landteilnehmer hergestellt.

Die Mindestgebühr für ein Seefunkgespräch für bis zu 3 Minuten war

  • 7,20DM auf Ultrakurzwelle
  • 14,70DM auf Grenzwelle
  • 28,50DM auf Kurzwelle

Jede weitere angefangene Minute wurde mit 1/3 der Mindestgebühr berechnet.

(Stand: Telekommunikationsordnung (TKO) November 1986)


Seefunkgespräche von See

Lag eine Gesprächsanmeldung vor, nahm der Bordfunker mit Norddeich Radio Kontakt auf. Je nach Tageszeit, Entfernung und Ausrüstung auf der entsprechenden Funkfrequenz (Anrufkanal/Arbeitskanal).

Bei Norddeich Radio wurden die notwendigen Daten auf ein Gesprächsblatt notiert. Für eine schnelle Durchführung der Gesprächswünsche standen bei erhöhtem Verkehrsaufkommen Ausweichplätze zur Verfügung. Nach der Herstellung einer guten Funkverbindung wurde die Verbindung zu dem gewünschten Fernsprechanschluss hergestellt.

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Der Meldeplatz in der Leitstelle

Die sog. "Boje" mit Gesprächsanmeldungen

Telefoniearbeitsplatz

Funkfernschreiben

Außer Fernsprechverbindungen konnten auch Fernschreibverbindungen (Telex) zwischen einem Fernschreiber an Land und auf See hergestellt werden. Von den Firmen wurde sehr gerne die Möglichkeit genutzt, eine Telex-Nachricht zur Speicherung bei uns zu hinterlassen, die dann nach Herstellung einer Verbindung an das Schiff übermittelt wurde.

Die Empfangs-Fernschreiber hatten die Telex-Nummer 1111 (viermal die eins) und standen in der Telegrammbetriebsstelle. Die auf einem Blattschreiber entgegengenommene Telex-Nachricht wurde mit dem dazugehörigen Lochstreifen als Speichermedium in die Leitstelle gebracht. Von dort gingen Hinweise zu den Bojen. Das Schiff wurde in den nächsten Sammelanrufen mit einem Hinweis auf die Funktelex-Nachricht gerufen.

Bei der Annahme der Funktelex-Nachricht war es erforderlich, den Lochstreifen lesen zu können, um den richtigen Lochstreifen-Abschnitt mehrerer hintereinander empfangener Fernschreiben der richtigen Nachricht zuordnen zu können.

Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Bedienung eines Fernschreibers und einer Schreibmaschine auch durch die unterschiedliche Tastatur unterscheidet. Am Fernschreiber gibt es keine Groß- und Kleinschreibung. Dafür muss mit der Buchstabentaste (Bu) und der Zifferntaste (Zi) zwischen Buchstaben und Ziffern/Zeichen umgeschaltet werden. Damit befindet sich auf der Taste „A“ auch der „-“ (Bindestrich), auf der Taste „B“ das „?“ (Fragezeichen) usw.

Das ist im Internationalen Telegrafenalphabet Nr. 2 (kurz CCITT-2) als Standardcode in Telex-Netzen geregelt, wobei die zugehörige Zeichenfolge von fünf Bit in einen Lochstreifen gestanzt wird. Jeder Buchstabe bzw. Ziffer/Zeichen kann bis zu 5 Löcher (plus kleine Löcher für das Führungsrädchen) haben. Dabei ist 1(Loch) Strom, und 0(kein Loch) kein Strom. Um alle Buchstaben und Ziffern/Zeichen darstellen zu können, muss mit der „Bu“-Taste auf Buchstaben und mit der „Zi“-Taste auf Ziffern/Zeichen umgeschaltet werden. Damit ist beim Fünf-Bit-Code die doppelte Anzahl von Zeichen möglich.

Beim Lesen eines Lochstreifens bedeutet das, dass alles nach dem „Bu“-Code als Buchstaben zu lesen ist und alles nach dem „Zi“-Code als Ziffer/Zeichen. Zwei Löcher auf dem Lochstreifen, oberhalb der kleinen Führungslöcher, ist dementsprechend entweder ein „A“ oder ein „-“ (Bindestrich).

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Funktelexraum

Tastatur eines alten Fernschreibers (T68d)